Volker-Kutscher-Adaption im Kulturhaus

Am Donnerstag, 7. April, wurde im Kulturhaus das Theaterstück "Marlow" nach einem Gereon-Rath-Roman (der siebte der Reihe) von Volker Kutscher aufgeführt.

Lüdenscheid. Einen über 500-seitigen Roman auf ein 90-minütiges Theaterstück herunter zu brechen ist schon eine Kunst; Jeannette Mohr ist dies mit ihrer Bearbeitung durchaus gelungen. Wer die Romanvorlage kennt, wird zwar die ein oder andere Figur oder Szene vermisst haben, musste aber feststellen, dass ansonsten die Vorlage, die hauptsächlich im Jahr 1935 spielt, gekonnt adaptiert wurde.

Die komplexe Kriminalgeschichte um eine Verschwörung um Ober-Nazi Hermann Göring, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe und spätere Reichswirtschaftsminister, wurde hier unter der Regie von Pia Böhme vom Westfälischen Landestheater Castrop-Rauxel nachvollziehbar erzählt.

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Der Kniff: Zwei Erzähler kommentierten, erläuterten und erzählten immer wieder gleich einem griechischen Chor Zusammenhänge, Szenerien, Hintergründe – manchmal übernahmen dies auch die handelnden Figuren. Zudem wurden einige Außenszenen wie in einem Hörspiel akustisch dargestellt – so etwa der alles auslösende Autounfall zu Beginn der Geschichte.

Das Szenenbild: hauptsächlich Stapel von Aktenkisten, zwei Tische, ein paar Stühle, Klappleitern, ein paar Utensilien. Also eher spartanisch, ohne Wechsel des Gesamtbildes. Je nach Inhalt der zu spielenden Szene wurde etwa ein auf Leinwand gezogenes Porträt von Göring oder ein „Tanz auf dem Vulkan“-Plakat aufgestellt.

Ungewöhnliches Bühnenbild – Foto: Mertens/LokalDirekt

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Die Schauspieler: nur sieben an der Zahl, die mitunter auch in unterschiedliche Rollen schlüpften. Den beiden Hauptdarstellern Maximilian von Ulardt (als Gereon Rath) und Franziska Ferrari (als Charly Rath) gelangen auch die stark emotionalen Ehepartner-Momente. Besonders stark: etwa jene Szene, in der Gereon Rath beim Parteitag in Nürnberg den Hitlergruß, den er eigentlich ablehnt und meist nur widerwillig ausführt, hier in Rage penetrant (bis zum Erbrechen) wiederholt. Ebenfalls großartig: Schauspieler Tobias Schwieger, der gekonnte zwischen seinen Rollen wechselte. Er verkörperte den (Halb-)Chinesen Liang Kuen Yao, Obersturmbannführer Sowa, Herrn Königsberg und den bayrischen Wachtmeister Draxler so gut, dass man meinte, es sei jeweils ein anderer Schauspieler.

Starkes Schauspiel-Ensemble (v.l.): Guido Thurk, Franziska Ferrari, Mike Kühne, Mario Thomanek, Samira Hempel, Maximilian von Ulardt und Tobias Schwieger – Foto: Mertens/LokalDirekt

Die Inszenierung: Zum Glück abseits von üblichen Boulevard-Stücken mit ungewöhnlichen Einfällen wie etwa die durchaus sinnvolle Doppelung der Tötungsszene von Liang Kuen Yao, oder jener eindrucksvolle Moment, in der sich die Schauspieler in einer Art Brecht’schem V-Effekt in Zeitlupe aus bzw. in die Szenerie bewegten.

Auch das Publikum zeigte sich begeistert und Worte wie „gelungen“, „sehr gut“, „stark gemacht“, und „bemerkenswert“ waren beim Verlassen des Kulturhauses zu hören. So ging wohl jeder mit dem Gefühl, einem sehenswerten wie unterhaltsamen Theaterstück beigewohnt zu haben, nach Hause.

Ein Exklusiv-Interview mit Autor Volker Kutscher wird folgen!

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