Sexualisierte Gewalt: Verfahren gegen Pfarrer eingestellt

Die beiden Pfarrer waren beschuldigt worden, nicht eingeschritten zu sein, als ein Jugendmitarbeiter über viele Jahre Jugendlichen sexualisierte Gewalt zugefügt hatte.

Märkischer Kreis/Bielefeld. Die Disziplinarverfahren gegen zwei ehemalige Pfarrer aus dem Evangelischen
Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg sind eingestellt worden. Dies teilt der Kirchenkreis am Freitag, 6. Mai, in einer Pressemitteilug mit.

Sie waren beschuldigt worden, im Falle eines ehemaligen Jugendmitarbeiters, der über viele Jahre hinweg
sexualisierte Gewalt an Jugendlichen verübt hatte, nicht eingeschritten zu sein und dessen Taten gegenüber Jugendlichen in der Kirchengemeinde nicht verhindert zu haben.

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Ob oder in welchem Umfang die beiden damaligen Pfarrer der betreffenden Gemeinde von den
Vergehen des Jugendmitarbeiters gewusst haben, ließ sich in der Rückschau nicht eindeutig
nachweisen, teilt der Kirchenkreis mit. In dem Verfahren waren zahlreiche Zeugen angehört worden, zusätzlich zur eingehenden Prüfung durch Juristen des Landeskirchenamts wurde die ausführliche
Stellungnahme einer unabhängigen, externen juristischen Sachverständigen eingeholt.

Letztlich habe die intensive Befassung ergeben, dass sich den beschuldigten Pfarrern keine Versäumnisse im Sinne einer formalen Verletzung ihrer Amtspflichten nachweisen ließen. Erschwerend für das Verfahren sei die Tatsache gewesen, dass die Vorfälle teilweise Jahrzehnte zurücklagen und die Zeugen daher nur wenige konkrete Äußerungen aus Gesprächen mit den Beschuldigten rekapitulieren konnten.

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Der ehemalige Jugendmitarbeiter, dem zahlreiche Taten sexualisierter Gewalt zur Last gelegt worden waren, hatte nach Einleitung strafrechtlicher Ermittlungen gegen ihn im Jahr 2020 Suizid begangen.

Auch wenn die Disziplinarverfahren jetzt eingestellt werden mussten, werde die Evangelische
Kirche von Westfalen den Fall insgesamt im Rahmen einer unabhängigen wissenschaftlichen
Einzelfallstudie aufarbeiten lassen, teilt der Kirchenkreis mit. Dabei würden auch die strukturellen Defizite und Zusammenhänge, die sexualisierte Gewalt ermöglicht hatten, sowie Rolle und Verantwortung
der beteiligten Pfarrpersonen in den Blick genommen.

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