Prange Lesung: Lebendiger Unterricht

Zwischen Auftritten in Altena und Plettenberg auf Einladung von KUK ein Zwischenstopp in Meinerzhagen. – Für den in Tübingen lebenden Erfolgsautor aus dem Lennetal ein „Heimspiel“. In knapp zwei Stunden ließ Peter Prange, dessen Bestseller „Die wunderbaren Jahre“ bereits verfilmt wurde, Geschichte lebendig werden.

Am Dienstagabend, 14. Dezember, stand in der Aula des Ev. Gymnasiums „Der Traumpalast“ auf dem Programm. In seinem jüngsten Roman verwebt Prange eine Liebesgeschichte mit der Ufa-Historie. 1917 mit Unterstützung des Militärs gegründet, um bewegte Bilder zur Propaganda und Stärkung des Wehrwillens zu nutzen, wurde die Universum Film AG seinerzeit zu einem der größten Filmunternehmen in Europa. Innerhalb von 20 Jahren entstand eine neue, alles beherrschende Kunstgattung, die Menschen emotional fesselt(e). „Kunst ist Lüge“, so Prange mit Blick auf eine Szene in einem Ernst-Lubitsch-Film. Dabei war es dem Regisseur gelungen, eine aus dem Ruder gelaufene Protest-Szene gegen den Besuch von Reichspräsident Ebert bei Dreharbeiten zur Jubel-Szene der Massen für die Hochzeit Heinrichs VIII. mit Anna Boleyn zu nutzen. Aber: diese Illusion, die Kunst allgemein und Film im Besonderen, herstelle, schaffe etwas Anrührendes, sagt Prange.

Stimmkräftig und gestenreich hatte seine Lesung durchaus schauspielerische Züge. Buchkapitel, die Charaktere und Umfeld skizzierten, wechselten mit Erläuterungen zur Entstehung des Romans und geschichtlichen Rahmenbedingungen. Ein paar Hustenbonbons, spendiert aus dem Publikum, halfen Prange bei seinem engagierten Auftritt bei Stimme zu bleiben. Dem Autor ging es darum, nachzuzeichnen, wie ist es möglich wurde, dass in einer Kulturnation, die sich auf Goethe beruft „ein Barbar wie Hitler an die Macht kommen konnte“. Für Prange ist klar: „Hitler hätte in den 1920-er Jahren verhindert werden müssen.“

Zwischen neuem Freiheitsdrang der „Goldenen Zwanziger“ und konservativem Beharrungsvermögen, spanne sich der Bogen „vom Freiheitsrausch zur politischen Selbstentmündigung“.

Nebenbei erfuhren die Besucher, angetan vom emphatischen Autor, noch, dass sie Bücher besser im heimischen Laden statt im Internet kaufen sollten. Denn: solche Abende inszeniere der Konzern mit dem „A“ eben nicht. Sie erfuhren auch, dass Prange eine Nebenrolle in den „Wunderbaren Jahren“ hatte, dass eine 2. Staffel gedreht werden soll und Katja Riemann wieder seine Mutter verkörpern werde, die zur Harmonie neigte, was man von der Schauspielerin wahrlich nicht sagen könne.

Der nächste Roman, verriet Prange im Gespräch mit LokalDirekt werde ein europäischer sein. Er spiele in Berlin, London und Paris. Und vielleicht kommt er dann zur Lesung wieder zu KUK. Ein dankbares und aufmerksames Publikum dürfte ihm gewiss sein.