„MENSCH MACHT“-Skulpturen installiert

Am Mittwoch, 16. März, wurden die Skulpturen "schrecklich verstümmelte Körper … ein Albtraum menschlicher Entwürdigung und Vernichtung" aufgestellt.

Halver. Auf dem Fußweg, der an der Villa Wippermann von der Frankfurter Straße zur Mittel- bzw. Thomasstraße vorbei führt, befinden sich jetzt seltsam anmutende Skulpturen, die am Mittwoch in Anwesenheit des Künstlers Horst Solf aufgebaut wurden und nun – geschützt durch ein Zeltdach – für jeden sichtbar sind.

Die örtliche Feuerwehr hat nicht nur das Zelt gestellt, sie hat auch geholfen, die Installation nach den Anweisungen des Künstlers aufzubauen. Immerhin bringen die „verstümmelten Körper“ pro Stück meist über 100 Kilogramm auf die Waage.

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„Mir ist bewusst, dass diese Installation Kontroversen auslösen wird. Ich bin selbst noch in den Kriegstagen geboren worden und muss jetzt als über 80-Jähriger erleben, dass wieder ein Krieg in unserer Nachbarschaft stattfindet – nach über einem Dreiviertel-Jahrhundert! Vor wenigen Jahren hat man noch das 70-jährige bestehen der UN-Menschenrechts-Charta gefeiert,“ äußert sich Horst Solf gegenüber LokalDirekt konsterniert.

Und Kontroversen sind tatsächlich programmiert. Denn beim Anblick der gegossenen Soldatentorsi muss sicherlich der ein oder andere schlucken. Vor allem wenn ukrainische Flüchtlinge in Halver mit dieser Form von Kunst konfrontiert werden, könnte dies eventueller Trauma-Bewältigung alles andere als förderlich sein.

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Doch es geht dem Künstler darum, „unerbittlich und eindringlich darauf hinzuweisen, dass wieder Krieg in Europa ist“. So ist diese Zurschaustellung auch spontan entstanden. Und „dass der Ausstellungsort ein viel frequentierter, öffentlicher Weg ist“, findet der Künstler besonders gut. Er selbst flüchtete nach Kriegsende 1945 mit seiner Mutter aus Schlesien und wurde damals als 5-Jähriger mit den Toten auf den Schlachtfeldern konfrontiert – sicherlich ein traumatisches Erlebnis. Doch seine Kunst will er nicht als Verarbeitung eines kindlichen Traumas verstanden wissen, sondern als „die Aufarbeitung politischer Ereignisse“.

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So dient seine Kunst also weniger der Erbauung, sondern soll über die zwei Wochen der Zurschaustellung hinaus zum Denken und zu Diskussionen anregen. Horst Solf wird während der gesamten Ausstellungszeit vor Ort sein.

An dem nun teilweise ausgestellten Zyklus, der seine Premiere 1993 im Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim feierte, arbeitete Solf elf Jahre lang. Der Gesamtinhalt: Soldatenbüsten, Köpfe mit Helmen und Soldatentorsi – teilweise auf Granitplatten angebracht – in Eisenguss-Technik.

Solf ist Maler, Graphiker, Zeichner, Plastiker, Sgraffitokünstler und Illustrator. 1940 im schlesischen Waldbrücken (heute Polen) geboren, erhielt der Erich-Herter-Schüler 1982 den renommierten Daniel-Henry-Kahnweiler-Preis. Heute lebt und arbeitet Horst Solf im badischen Freiburg und schwäbischen Heidenheim.

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Vorbereitung zur Installation – Video: Jana Eilhardt