Landwirte beklagen erhebliche Sturmschäden am Mais

Das Sturmtief der vergangenen Woche sorgte für erhebliche Schäden auf den Maisfeldern und stellt die Landwirte vor Probleme.

Kierspe/Märkischer Kreis. Sturm Ignatz wütete mit Sturmböen, entwurzelte Bäume und richtete unzählige große und kleine Schäden an. Nachdem die meisten Spuren des Sturmtiefs schon beseitigt werden konnten, stehen die Landwirte der Region vor einem großen Problem: Der Mais hat gelitten. Ignatz fegte mit Starkwinden und starken Schauern durch die Felder, auf denen die meterhohen Pflanzen auf die nahende Ernte warteten. Was bleibt, ist an vielen Stellen ein Feld der Verwüstung. Der Mais liegt auf dem Boden – umgefallen wie Mikadostäbchen.

Der Kiersper Landwirt Reiner Grafe ist – wie viele seiner Berufskollegen – entsetzt über die Wucht des Sturms und die Folgen auf seinen Feldern. Auch er baut Mais an, insgesamt auf rund 20 Hektar. „Drei Hektar sind für die Katz‘, die kann ich vergessen“, berichtet Grafe im Gespräch mit Lokaldirekt über seinen eigenen Ausfall. Kollegen berichten, so Grafe, aber von weitaus schlimmeren Ausfällen. „Ein befreundeter Landwirt beklagt 20 Prozent seiner gesamten Maisernte, das ist schon ein immenser Schaden“, weiß Grafe. Er rechnet vor, dass ein Landwirt zwischen 1500 und 1800 Euro pro Hektar Mais umsetzt. Bei einem Ausfall von 20 Prozent auf einer Fläche von 23 Hektar seien das mal eben 7500 bis 9000 Euro Umsatzeinbußen. „Das ist immens“, so Grafe.

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Reiner Grafe sah das Unheil schon kommen, als der Wetterbericht den nahenden Sturm für den 21. Oktober ankündigte. „Das Problem war: Der Mais reift gerade in den letzten Zügen, die Kolben sind dementsprechend schwer. Dann kam der starke Wind und viel Feuchtigkeit in Form von Regen. Die Pflanze wurde zu schwer und wurde einfach umgedrückt.“ Begünstigt wurde die Auswirkung von Ignatz auf die Maisfelder aber nicht nur durch Regen und Winde. Viele Anbauflächen stünden mittlerweile frei, seien durch kahlgeschlagene Fichtenwälder aufgrund des Borkenkäferbefalls schutzlos dem Sturm ausgeliefert gewesen. Das, so Grafe, habe an der ein oder anderen Stelle die Kraft des Sturm verstärkt und den Schaden in die Höhe getrieben.

Nun liegt der Mais am Boden. Und von dort, das weiß der Kiersper Landwirt, ist er nur schwer zu verarbeiten. Die heimischen Böden machen es den Erntebetrieben und Lohnunternehmern auch nicht leichter. Denn das Problem im Sauerland sind die unebenen und oftmals steinigen Böden. „Wir können den Häcksler nicht einfach tief stellen“, beschreibt Grafe ein Vorgehen, dass im platten Münsterland beispielsweise unproblematischer wäre. Dennoch: Was irgendwie zu ernten ist, wird geerntet, versichert Grafe. Allerdings hätten die Lohnunternehmer schon 20 bis 30 Prozent mehr Ernteaufwand angekündigt, nicht zuletzt, weil sie langsamer fahren müssten. Ein Mehraufwand, den der Landwirt zahlt.
Mais, der nicht mehr geerntet werden kann, wird zunächst gefräst und dann als Gründüngung ins Feld untergearbeitet. „Dann stehen als nächstes die Schweine parat, und gucken, ob wir das auch richtig gemacht haben“, versucht Grafe das Ganze mit Humor zu nehmen.
Der Kiersper selbst hat übrigens neben einer Hagelversicherung für Mais vor zwei Jahren eine Elementarversicherung für die gelben Kolben abgeschlossen. Die schützt ihn heute vor den drohenden Ausfällen. Grafe weiß allerdings auch: Diese Versicherung hat längst nicht jeder.

Wären die Schäden am Mais im vergangenen Jahr aufgetreten, hätte das katastrophale Auswirkungen für die Landwirte gehabt, ordnet Grafe die Sturmschäden ein. „In diesem Jahr hatten wir eine außerordentlich gute Grünfutterernte, die Maisausfälle können wir – zumindest im Hinblick auf das Futter – gut kompensieren.“ Nach den dürren Sommern der vergangenen zwei Jahre sei sein Berufsstand also nochmal mit einem blauen Auge davongekommen.

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