Heimatverein mit zwei Standorten am Mühlentag beteiligt

Der Kiersper Heimatverein beteiligte sich am Pfingstmontag gleich mit zwei Standorten am "Deutschen Mühlentag" - am Schleiper Hammer und in der Rhader Mühle.

Kurioserweise sind weder der Schleiper Hammer noch die Rhader Mühle eine wirkliche Mühle. Das heute gelegentlich als Backhaus genutzte Gebäude in Kierspe-Rhadermühle hatte zumindest in früheren Zeiten mal eine, und viele Menschen denken beim Wort „Mühle“ zuerst an frisches Mehl und duftendes Brot aus dem Holzofen.

Damit konnte der Heimatverein aufwarten: Insgesamt wurden 206 Brote aus Sauerteig gebacken, und die waren am Nachmittag auch fast alle verkauft. Gegen 15.30 Uhr lagen noch 22 Brote im Regal, und immer noch kamen Besucher, um für 5 Euro eines der noch ofenwarmen Backwerke zu ergattern.

Gelungen: leckere Brote – Foto: Markus Klümper

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„Die Brote, die übrig bleiben, werden eingefroren und zu besonderen Anlässen serviert“, erklärt Annette Zacharias, die die Rhader Mühle nicht nur verantwortlich betreut, sondern den Teig für die Brote zuhause vorbereitet hat. Und zwar in Mengen, bei denen neumodische Küchenmaschinen ins Schwitzen geraten würden. Am Schluss wurden aus 16,5 Kilo Roggenvollkornmehl und etlichen Litern Wasser 25 Kilo Sauerteig geknetet. Dazu wurde eine große Knetmaschine eingesetzt, die jedoch auch schon ans Limit kam: „Früher hatten wir zwei davon“, so Annette Zacharias. Irgendwie sei man aber mit der einen auch klargekommen.

Während der Teig vorbereitet wurde, nahm die Hitze im Ofen auch zu. Natürlich nicht von alleine, hier kam viel Holz zum Einsatz. Auch hier streng nach „Fahrplan“, damit der Ofen am Montagmorgen die benötigte Temperatur bereithielt. Die schwankt etwas, weshalb die Backzeit für die Brote zwischen einer halben Stunde und 45 Minuten variierte. Die ersten Käufer ließen auch nicht lange auf sich warten und gaben sich sprichwörtlich die Klinke in die Hand.

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Aber das Backen in der Rhader Mühle ist auch etwas Besonderes, keineswegs alltäglich. Zu handverlesenen Ereignissen wie dem Mühlentag wird der Ofen angefeuert, wenige Male im Jahr. Die Besucher sind zumeist Stammkunden, die überwiegend zum Brotkaufen vorbeischauen, sich allerdings nicht mehr so sehr für die Entstehung interessieren.

Wunderbar: knusprige Brote – Foto: Markus Klümper

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Wie lange es die Mühle an der Rhader Mühle schon nicht mehr gibt, ist nicht genau überliefert. „In den 60er Jahren hat hier ein Halveraner Bäcker noch Brot gebacken“, weiß Annette Zacharias zu berichten. Die Chancen stehen gut, dass in Zukunft noch viele Menschen in den Genuss der leckeren Brote kommen, denn das Gebäude erwies sich in der jüngeren Vergangenheit als unverwüstlich. Die Flutwelle im vergangen Jahr hat auch hier Schäden verursacht, die jedoch rechtzeitig beseitigt werden konnten.

Wesentlich fraglicher ist allerdings, ob der Heimatverein demnächst Brot mit Schmalz servieren kann, denn auch am Spätnachmittag gingen zahlreiche Brote über die historische Ladentheke. Die Chance, dass da noch der eine oder andere Laib übrig bleibt, dürfte nicht sehr groß sein.

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Realistisches Ambiente am Schleiper Hammer

Auch einige Kilometer entfernt, im Schleiper Hammer, erfreuen sich Backwerke großer Beliebtheit bei den Besuchern. Im Mittelpunkt stehen die Torten und Kuchen hier jedoch nicht. Obgleich viele der Gäste in dem Industriemuseum ihren Ausflug mit einer Tasse Kaffee abrundeten, galt das größte Interesse den Schmiedearbeiten, aber auch der Bakelit-Verarbeitung.

Dass es sich bei dem Schleiper Hammer keineswegs um einen historischen Betrieb handelt, sondern um ein zusammengestelltes Museum, ahnt man zunächst nicht. Die verschiedenen Pressen, auf denen beim Mühlentag unter anderem Kleiderhaken und Nägel geschmiedet wurden, scheinen dort schon seit Menschengedenken zu stehen.

Ein absolut realistisches Ambiente, was aber wohl auch daher rührt, dass an den Vorführungen echte Profis beteiligt sind: „Ich bin gelernter Kunstschmied“, verrät ein Vertreter des Heimatvereins. Mittlerweile übt er diesen historischen Handwerksberuf nicht mehr aus, weiß aber die Kinder mit den glühenden Werkstücken zu begeistern.

Schmiedearbeiten werden präsentiert – Foto: Markus Klümper

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Während die Metallverarbeitung irgendwann ins Ruhrgebiet abgewandert ist, wie Silvia Baukloh zu berichten weiß, hat die Bakelit-Fertigung die Region bis heute geprägt. Die Firmen, die hier vor langer Zeit mit diesem Vorläufer heutiger Kunststoffe verschiedenste Produkte gefertigt haben, sind auch heute noch in Kierspe ansässig. Obgleich der duroplastische Werkstoff noch immer nicht „verschwunden“ ist.

Die Vorsitzende des Heimatvereines erläutert, dass Bakelit Eigenschaften hat, die noch immer unerreicht und für manche Produkte unverzichtbar sind. Ganz abgesehen von Bauteilen mit Retro-Charme, wie Lichtschaltern im historischen Design. Wegen der Bedeutung für die Region war es Ehrensache, dass auch am Schleiper Hammer ausreichend Platz für das Thema Bakelit eingeräumt wurde. Vor allem aber wurden hier auch die alten Maschinen vorgeführt, was im bekannten Bakelit-Museum im Alten Amtshaus natürlich nicht machbar ist.

Der Hammer! – Foto: Markus Klümper

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Auch der Schleiper Hammer ist nur an bestimmten Tagen für Besucher geöffnet und erwies sich am Mühlentag als Magnet für interessierte Gäste. Die Vereinsvorsitzende sowie die zahlreichen Helferinnen und Helfer freuten sich über das Altersspektrum: „Hier kamen Menschen, die an den alten Maschinen selbst noch gearbeitet haben“, erzählt Silvia Baukloh. Und kleine Kinder zeigten sich fasziniert von der Wirkung der Hammerschläge, die aus einem Klumpen glühenden Eisens einen Nagel formten.

Den ganzen Tag über kamen und gingen Menschen, die ihren Exkurs nicht selten mit einem Spaziergang oder einer Wanderung kombinierten. Für den Kiersper Heimatverein war die Aktion ein voller Erfolg.

Kinder durften selbst „draufhauen“ – Foto: Markus Klümper

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