Halverscheid wird schick gemacht – Flurbereinigung steht bevor

Das Höhendorf erreichte kurz vor Jahresende 2021 der Millionen-Förderbescheid aus Arnsberg. Die Bewohner starten nun in die Planungen.

Halver. Die Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Halverscheid hielt Ende 2021 ein besonderes Weihnachtsgeschenk in den Händen. Am 23. Dezember erreichte die Mitglieder der Förderbescheid in Höhe von 2,3 Millionen Euro für die sogenannte Dorfflurbereinigung.

Mit Mitteln von Bund, Land und der EU soll die integrierte ländliche Entwicklung gefördert und gemeinschaftliche Angelegenheiten im Flurbereinigungsverfahren Halverscheid unterstützt werden. Die Stadt Halver übernimmt den zu leistenden Eigenanteil in Höhe von 20 Prozent der Gesamtmaßnahme. Nach dem Beschluss des Verfahrens seitens der Bezirksregierung Arnsberg am 3. November 2021 steht mit dem positiven Förderbescheid nun das Budget für die Maßnahmen bereit.

Allerdings: Noch haben die Arbeiten im Höhendorf zwischen Halver, Schalksmühle und Lüdenscheid nicht angefangen. Bis Bagger, Schaufel und schweres Gerät zum Einsatz kommen, wird es noch eine Weile dauern, weiß Udo Sommer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft. Vor 2024, so hatte die Bezirksregierung signalisiert, werde der Startschuss vermutlich nicht fallen. Bis 2031 sollen alle Maßnahmen abgeschlossen sein.

Untätig sind die Halverscheider bis dahin aber nicht. Ziel der kommenden Wochen sei es, einen Prioritätenplan zu erstellen und in Workshops Interessen und Ideen zusammenzutragen.

Udo Sommer, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft, vor der Dorfhütte in Halverscheid. -Foto: Kämper

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Dorfflurbereinigung – hinter einem sperrigen Begriff verbergen sich Maßnahmen zur Verbesserung der öffentlichen Dorf-Infrastruktur sowie Aufwertungen der privaten Grundstücksflächen und in diesem Zusammenhang die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Ebenso gehe es laut Bezirksregierung Arnsberg um die Restrukturierung von Flurgrenzen und um klare Eigentumsverhältnisse. Während ein Teil der zur Verfügung stehenden Summe für Maßnahmen des Allgemeinwohls aufgebracht werden sollen, steht ein weiterer Teil privaten Investitionen auf dem eigenen Grundstück zur Verfügung. Wer wie viel für welche Maßnahmen bekomme, werde in den kommenden Wochen ebenfalls miteinander beratschlagt – ganz im Sinne einer Dorfgemeinschaft eben, betont Udo Sommer.

Schwerpunkte im Ort sind der dorfgerechte Ausbau der Straßen und der öffentlichen Bereiche sowie die dorftypische Gestaltung der Haus-Vorflächen. Dazu gehöre laut Bezirksregierung auch die Gestaltung mit einheimischen Gewächsen. Zudem solle ein aktiver Beitrag zur Ortsinnenentwicklung und zur Stärkung der Dorfgemeinschaft geleistet werden.

Im Falle von Halverscheid bedeutet das konkret eine Renovierung der Dorfhütte. „Wir bräuchten hier Zugang zur Kanalisation und man könnte den Vorplatz pflastern“, fasst Sommer erste Ideen zusammen. Nötig hätte es zudem das Bushäuschen an der Dorfeinfahrt und die Stellfläche der Glascontainer rund um das Stromhäuschen.

Ein großer Teil des Geldes dürfte wohl für die Straßensanierungen draufgehen. Zuletzt hatte die Abfuhr von geschlagenen Fichten mit Lkw den Asphaltstraßen und Wegen schwer zugesetzt. Aber auch innerdörflich gleichen die Straßen einem Flickenteppich, betont Sommer im Gespräch mit LokalDirekt.

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Wer nimmt Teil?
Circa 80 Grundstückseigentümer sowie Erbbauberechtigte als Teilnehmer sind direkt betroffen, außerdem Bewirtschafter landwirtschaftlicher Flächen. Inhaber von Rechten werden ebenfalls beteiligt (Nebenbeteiligte). Insgesamt leben in Halverscheid 113 Bürger.

Halverscheid – ein Rundgang in Bildern

Ortseingang Halverscheid: Das Bushäuschen hat seine besten Tage hinter sich, auch der Platz für die Glascontainer bedarf einer Ausbesserung. -Fotos: Kämper

Ein Großteil des Geldes wird in die Sanierung der Straßen investiert.

Grundstücksgrenzen und Vorplätze können mit Mitteln aus dem Fördertopf auf Vordermann gebracht werden.

Mit der Dorfflurbereinigung möchte man einen Beitrag zur Dorfinnenentwicklung leisten.

Der Vorplatz der Dorfhütte könnte gepflastert werden.

Die Karte zeigt in rot den „Dorfkern“ und in orange die einbezogene Gebietsabgrenzung der Maßnahme. -Karte: BRA

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Vorstandsmitglieder der Teilnehmergemeinschaft

Vorsitz: Udo Sommer
2. Vorsitzende: Silvia Turk
Mitglieder: Leonie Kessner, Matthias Clever, Andreas Bökenkamp

Wie wird das Projekt finanziert?

Die Kosten für die Planungen und die Kosten der Behörde trägt das Land NRW (Verfahrenskosten). Die Kosten für Investitionen, insbesondere für Baumaßnahmen (Ausführungskosten) werden zu 80 Prozent (höhere Förderung aufgrund der Umsetzung von Zielen der LEADER-Region als auch des ländlichen Wegenetzkonzeptes) anteilig vom Land Nordrhein-Westfalen, der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union getragen. Die Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung beteiligt sich mit Beiträgen an den Ausführungskosten in Höhe von 20 Prozent, diesen Anteil übernimmt die Stadt Halver.

In der Ortslage werden die Maßnahmen der Dorfentwicklung für jedes Privatgrundstück ermittelt und individuell mit den Eigentümern abgerechnet.
(Quelle: www.bra.nrw.de)

Historie Dorfflurbereinigung

Der Weg vom Vorschlag einer Dorfflurbereinigung in Halverscheid durch die Bezirksregierung Arnsberg und die Stadt Halver bis zum positiven Förderbescheid war lang und ging auch mit Uneinigkeiten einher. Eine Historie:

  • Ende 2019: Erstinfo durch die Bezirksregierung Arnsberg
  • August 2020: Erstes offizielles Informationsgespräch mit allen Eigentümern
  • September 2020: Beratung aller Eigentümer in Halverscheid
  • April 2021: Erlass des Ministeriums, dass die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen
  • September 2021: „Aufklärungsversammlung“ aller Eigentümer durch die Bezirksregierung; es wurde eine große Flurbereinigung vorgestellt, mit der die Eigentümer so nicht einverstanden waren
  • Oktober 2021: Geänderte Gebietsabgrenzung beschlossen
  • Dezember 2021: Vorstandwahl Teilnehmergemeinschaft
  • 23. Dezember 2021: positiver Förderbescheid

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