Bildung, Innovation, Wertschätzung: Sentiris

Dieses Unternehmens-Portrait über Sentiris ist zugleich Startschuss für eine redaktionelle Beitragsreihe von LokalDirekt, "Wir in Halver".

Halver. Geht es um die Entwicklung generationsübergreifender Bildungs- und Gesellschaftsangebote für Kinder, Jugendliche und Senioren in Halver, kommt man an einem Namen derzeit kaum vorbei: Sentiris. Die gemeinnützige GmbH ist derzeit Träger der Kita Wunderland in Oberbrügge und der Großtagespflege „Kindervilla“ in Halver. Hinzu kommt die offene Kinder- und Jugendarbeit an zwei Standorten: Das Jugendzentrum „Die Insel“ in Oberbrügge und der offene Treff der Kindervilla in Halver. Gebrauchte Kinderkleidung gibt’s im Second-Hand-Laden „Kinderkram“ in Halver und eine warme Mahlzeit bekommen Senioren aus Oberbrügge-Ehringhausen, wenn sie das Angebot des Mittagstischs wahrnehmen.

Ausruhen? Fehlanzeige. Denn neue Projekte stehen bereits in den Startlöchern: Im November 2021 eröffnet Sentiris eine Kindertagesstätte in Neuenrade, die Übertragung der Trägerschaft für die noch zu errichtende Kita „Sternberger Land“ in Halver ist reine Formsache und in Plettenberg haben bereits konkrete Planungen für eine neue Wald-Kita auf einem ehemaligen Bauernhof begonnen.

Es ist also an der Zeit, Sentiris einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Portrait des Unternehmens ist zugleich Startschuss für eine redaktionelle Beitragsreihe von LokalDirekt, „Wir in Halver“.
Es soll Vereinen, Unternehmen oder Gruppierungen die Möglichkeit bieten, sich vorzustellen – interaktiv und crossmedial.

„Wir wollten mehr“

Die Geschichte von Sentiris beginnt vor vier Jahren. Im Winter 2017 sitzen die beiden Jugendfreunde Kristian Hamm und Daniel Lauermann beisammen. Kurz zuvor war in Oberbrügge der Aldi, wenig später der katholische Kindergarten geschlossen worden. Für beide stand fest: So kann’s nicht weitergehen, Oberbrügge darf den Anschluss nicht verlieren. Gerade Kinder und Jugendliche – aber auch ältere Menschen – würden durch den Verlust von Einkaufsmöglichkeiten und Betreuungseinrichtungen auf Dauer hinten anstehen, sind sich beide sicher. Der Wille, genau das zu verhindern, bedeutete den Startschuss für Sentiris. Kristian Hamm, der in seinem ersten Beruf Erzieher ist und später als studierter Theologe in Kirchengemeinden die Kinder- und Jugendarbeit gestaltete, findet in Verwaltungsfachwirt Daniel Lauermann den perfekten Kompagnon.

Bereits ein halbes Jahr zuvor, im Sommer 2017, hatten sie gemeinsam und in Kooperation mit dem Haus Waldfrieden den Mittagstisch für Senioren in Oberbrügge ins Leben gerufen. „Doch wir wollten mehr. Für Kinder und Jugendliche und alle anderen auch“, erinnert sich Kristian Hamm im LokalDirekt-Interview.
Doch erst einmal gab’s einen Rückschlag: Aus dem ersten Projekt, der Gründung eines Dorfladens in Oberbrügge, wurde schon mal nichts. „Dann wagen wir uns halt direkt an den Kindergarten“, fasst Kristian Hamm das damals neue Vorhaben zusammen. Optimistisch und voller Ideen suchten Hamm und Lauermann zunächst die Stadt Halver und kurz darauf das zugehörige Kreis-Jugendamt in Lüdenscheid auf – mit Erfolg. Im August 2018 feierte die Kita Wunderland ihre Eröffnung und betreut dort heute rund 60 Kinder in zweieinhalb Gruppen.

Kinder sind nicht unsere Zukunft, sie sind unsere Gegenwart. Deswegen stehen sie bei uns im Mittelpunkt, werden in ihrem Selbstwert gestärkt und erleben, dass sie ein Wunder sind – jeden Tag!

Sentiris

Erfolg und Zuspruch für die Kita Wunderland wirkten wie ein Turbo für Sentiris. Neue Projekte, Ideen und Einrichtungen sollten in den kommenden Jahren folgen. Seit August 2020 besteht im Rahmen der Großtagespflege „Kindervilla“ in Halver ein Betreuungsangebot für Kinder bis zu drei Jahren, die „Tagesmutter XXL“ wie es Kristian Hamm nennt. An zwei Nachmittagen findet in der bunt gestalteten Kindervilla zudem der Kindertreff statt, ein offenes, unverbindliches Angebot für Kinder zwischen sechs und elf Jahren.
In Oberbrügge betreibt Sentiris „Die Insel“, einen offenen Kinder- und Jugendtreff und trägt mit Angeboten auch in Ferienzeiten zum Erhalt und Ausbau der Arbeit mit und für Kinder und Jugendliche bei.

Das Sentiris-Rad steht nicht still: Derzeit steckt Kristian Hamm mitten in den Planungen und Gesprächen zu den Kita-Projekten in Plettenberg und Halver. Die Eröffnung in Neuenrade steht kurz bevor. Konkretisieren möchte er alsbald zudem die Sentiris-Akademie, ein Angebot zur Fort- und Weiterbildung für (pädagogische) Berufe. Das Team von Sentiris sprudelt vor Ideen und hat dabei eins immer fest im Blick: „Die Menschen. Für die machen wir das. Jeder einzelne von ihnen ist unser Antrieb“, betont Hamm. „Wir wollen Menschen in Szene setzen. Sie sollen die Möglichkeit bekommen, ihr Potenzial zu entdecken und sich zu entfalten. Kinder und Jugendliche sollen erkennen: Ich kann was, ich habe Stärken und ich bin gut, so wie ich bin.“

Ein Aspekt, den Kristian Hamm auch für sich und seine Mitarbeiter in den Fokus stellt: „Wir arbeiten am besten, wenn wir wertschätzen, was der andere tut und uns selbst ebenfalls wertgeschätzt fühlen.“ Diese Wertevermittlung bilde für ihn den zentralen Baustein eines guten Miteinanders im Team und auch im Umgang mit Kunden. Heute arbeiten bei Sentiris 40 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Denn jede neue Einrichtung benötigt neues Personal. Das Problem, Erzieher für die zu besetzenden Stellen zu finden, hat Kristian Hamm übrigens nach eigenen Aussagen nicht. Vielmehr habe er oft mehr Bewerber als offene Stellen.

Dass Kristian Hamm mal als Geschäftsführer von Sentiris so viel Verantwortung trägt, hätte er sich zwar genauso gewünscht, aber diese rasante Entwicklung innerhalb von vier Jahren selbst nicht vermutet. In die Rolle des Chefs musste er selbst erstmal reinwachsen – und tut es auch immer noch. „Ich versuche alles so gut wie möglich zu machen.“
Daniel Lauermann ist nicht mehr an seiner Seite. Gemeinsam mit seiner Frau leistet er Entwicklungsarbeit im Senegal.

Gemeinnützigkeit – das „g“ in gGmbH

Sentiris ist eine gemeinnützige GmbH. Gemeinnützig deshalb, weil alle erwirtschafteten Gewinne in das Unternehmen reinvestiert und nicht an die Gesellschafter ausbezahlt werden dürfen. Bedeutet, das Unternehmen ist im Sinne von Wirtschaftlichkeit zwar an einer Gewinnerzielung interessiert, investiert diese aber wieder in die Gemeinnützigkeit des Unternehmens – im Falle von Sentiris in die Kinder- und Jugendarbeit.

Wie finanziert sich eine gGmbH?
Die Sentiris gGmbH steht auf vier Finanzierungsbausteinen:

1. öffentliche Gelder wie die Kindpauschalen vom Land für Kindergärten oder die Betriebskostenzuschüsse für Jugend- und Senioreneinrichtungen
2. Förderungen
3. Spenden und Fundraising
4. eigene Projekte und Angebote (bspw. Secondhandladen Kinderkram)


5 Fragen an… SENTIRIS

Was bedeutet Sentiris? Was treibt das Team an? Wo steht Sentiris in fünf Jahren?
Die Antworten gibt’s im Video-Interview mit Geschäftsführer Kristian Hamm.